AKUPUNKTUR & CHINESISCHE KRÄUTERTHERAPIE

„Das Dao brachte das Eine hervor, das Eine Zwei, und die Zwei die Drei, und die Dreizahl die zehntausend Dinge (alles) hervor. Die zehntausend Wesen und Dinge, getragen von Yin, umhüllt von Yang, geeint vom durchdringenden Qi.“ (Daodeijing, zitiert nach Linck (2000)

Allgemeines

Die Traditionelle chinesische Medizin (TCM) ist eine holistische (ganzheitliche) Heilmethode. Die Akupunktur ist eine Therapiemethode der TCM, wobei klar definierte Punkte, welche auf so genannten Meridianen (= Leitbahnen) liegen, mittels dünner Stahlnadeln beeinflusst werden. Durch die Art der Stimulation kann eine unterschiedliche Wirkung vom Therapeuten erzielt werden. Den größten Anteil an der TCM macht jedoch die chinesische Arzneimitteltherapie aus. Diese bedarf einer gesonderten Ausbildung. Die anderen Pfeiler der TCM sind die Tuina – Massage, Qi-Gong, Tai-Chi und die chinesische Ernährungslehre.

Geschichtliches

Das erste klassische monumentale Werk zur chinesischen Medizin und dem Lebensstil wird dem Kaiser Qinshi Huangdi im Jahre 221 v. Chr. zugeschrieben: „ Des gelben Kaisers Klassiker der Medizin“ (kurz: „ Der gelbe Kaiser“), das Nejing. Für den Interessierten an der chinesischen Medizin und Denkweise, wirklich ein Klassiker, der, obwohl über 2000 Jahre alt, in meinen Augen nichts an seiner Aktualität verloren hat.

Theorien der TCM

Dem Gedankengebäude der TCM liegt vor allem die chinesische Weltanschauung des Daoismus, welche gleichzeitig auch eine Religion darstellt, zugrunde. Hier wird ein vernetztes Denksystem benutzt, welches auf Beobachtung der Naturphänomene, der Religion, der Politik und des Kosmos basiert. Am bekanntesten im Westen ist die Yin-Yang Theorie welche in der bekannten Monade ihren symbolischen Ausdruck findet. Insgesamt herrscht in der TCM ein vernetztes Denksystem, so werden z. B. den fünf Wandlungsphasen  oder Elementen (Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser) entsprechende Aspekte z. B. Klimafaktoren, Organe, Gewebe, Emotionen, Planeten, Gerüche und vieles andere mehr, zugeordnet. Zugegeben, dem Studienanfänger der TCM, so am Anfang auch mir, erschienen die Zuordnungen recht willkürlich. Je länger man jedoch die TCM praktiziert, umso selbstverständlicher und eingängiger werden einem die Begriffe, weil sie in der Praxis schlicht und einfach funktionieren. Der Mensch wird in der TCM als ein Mikrokosmos im Makrokosmos betrachtet. Genauso ist jedoch dann auf so genannten Somatotopien, wie z. B. auf der Ohrmuschel, der ganze Mensch beziehungsweise seine Organe erneut einzeln abgebildet, so dass  allein durch sogenannte Ohrakupunktur die Organe des Menschen ebenfalls beeinflusst werden können. Diese Theorie wird in der modernen Quanten-Physik durch die  Fraktale Theorie unterstützt. Der TCM liegt desweiteren die Theorie der Meridiane, des Qi, des Blutes und der Körpersäfte und der inneren und äußeren krankheitsverursachenden Faktoren zu Grunde. Daraus resultiert eine bildhafte Sprache zur Beschreibung  eines Disharmonie-Musters. Die Erkrankung eines Menschen wird also als ein Disharmonie-Muster verstanden und beschrieben und dieses gilt es wieder zu beheben, bzw. zu harmonisieren.  

Diagnostik der TCM

Die Diagnostik der TCM bedient sich ähnlicher Methoden wie die auch in der westlichen Schulmedizin üblich sind, so wie desweiteren interessiert sich der TCM-Therapeut für die subjektive Seite der Krankheit wie Schlafverhalten, Schwitzen, Energielevel, Haarausfall, Kälte- und Wärmempfindlichkeit. Als spezifische Diagnostik wird der Zungen- und Pulsbefund erhoben. So gibt es bei der Pulsdiagnostik rund 30 verschiedene Pulsqualitäten, die an beiden Handgelenken an jeweils 3 verschiedenen Stellen ertastet werden. An der Zunge wird deren Oberfläche, Form, Größe, Belag, Beweglichkeit und Farbe beurteilt. Die Zunge stellt ebenfalls eine Somatotopie dar (wie oben über das Ohr bereits beschrieben) und an ihr kann der längerfristige Zustand der Organe durch den Spezialisten beurteilt werden. Vor jeder Akupunktur oder der Behandlung mit der chinesischen Kräutermedizin, wende ich diese Diagnostik selbstverständlich an.

Meine Ausbildung in der TCM

1996 habe ich meine Ausbildung in der Akupunktur bei der DGfAN begonnen und 1998 mit dem A- Diplom (140 Ausbildungsstunden) abgeschlossen. Danach Weiterbildung bei Pro Medico (Ausbildungsleiter Dr. Ansgar Römer) und 2003 das B- Diplom (350 Ausbildungsstunden) erhalten. Anschließend Ausbildung in der Chinesischen Kräutertherapie bei Herrn Francois Ramakers und Frau Prof. Dr. Gertrude Kubiena (Wien), mit Erhalt des Diploms für chinesische Diagnostik und Arzneitherapie 2006 (500 Ausbildungsstunden).

Hilft Akupunktur und chinesische Kräutertherapie immer?

Sowohl die Akupunktur als auch die chinesische Kräutertherapie ist keine Allheilmethode. Die Wirkung geht jedoch weit über einen so genannten Placebo-Effekt hinaus. Hierzu ist jedoch eine gründliche Ausbildung des Therapeuten Voraussetzung. Wenn man ein paarmal einen akuten Migräne-Anfall mittels einiger Akupunktur- Nadeln innerhalb von ein paar Minuten „weg therapieren kann“, dann weiß man einfach aus eigener Erfahrung, dass dies nichts, aber auch gar nichts mit einem Placebo-Effekt zu tun hat. Ob eher Akupunktur oder chinesische Kräutertherapie oder beides als Therapiemaßnahmen hilfreich bzw. erfolgsversprechend sind, hängt von dem zugrundeliegenden Syndrom der Erkrankung ab. Dies kann Anhand einer Anamnese und Diagnostik im Sinne der TCM durch einen ausgebildeten Therapeuten festgelegt werden.

Chinesische Kräutertherapie

Nach einer durchgeführten chinesischen Diagnostik werden für jeden Patienten individuell Kräuter zusammengestellt. Diese werden dann als Dekokt abgekocht und zu sich genommen. Da das Abkochen der Kräuter sehr zeitaufwändig und problematisch ist, werden die Dekokte meistens in Granulate oder Tabletten übergeführt und von geeigneten Apotheken vertrieben. In der chinesischen Medizin gibt es keine Standardrezepturen, mit denen sich der Patient selbst behandeln kann. Allein gegen Fieber gibt es etwa 400 verschiedene Grundrezepturen. Nur nach einer genauen Diagnostik des TCM-Therapeuten kann die für den Patienten geeignete Rezeptur zusammengestellt werden. Bei chronischen Erkrankungen sollte man mit einer ca. 12 monatigen Behandlungsdauer rechnen. Vor jeder neuen Verschreibung einer Rezeptur wird von mir erneut der jeweilige Behandlungsfortschritt mittels Befragung und einer o. g. chinesischen Diagnostik überprüft und die Rezeptur u. U., dem jeweiligen aktuellen Zustand angepasst, verändert oder beibehalten.

Literatur

Als Einstieg für den an der chinesischen Medizin Interessierten empfiehlt sich das Buch von Professor Dr. Stefan Englert: „ So wirkt chinesische Medizin“ Govi-Verlag, 2009, 96 Seiten, 9,90 €, ISBN 978-3-7741-110-3 und Ted J. Kaptchuk: „ Das große Buch der chinesischen Medizin“, Heyne Verlag, 9,95 €, ISBN 9-7834-53-197664 Weitere Literatur und Studienlage zur Wissenschaftlichkeit finden Sie unter www.daegfa.dewww.promedico.com.

Schlussbemerkung

Zum Nachdenken anregen möchte ich mit folgendem Zitat aus dem Neijing. („Der gelbe Kaiser“): „Gesundheit und Wohlbefinden könnt ihr nur erlangen, wenn euer Geist in der Mitte ruht, wenn ihr eure Energie nicht vergeudet und den Fluss von Qi und Blut konstant haltet, wenn ihr euch den jahreszeitlichen Veränderungen und den jährlichen Makrokosmischen Einflüssen anpasst und vorbeugend Euer Selbst nährt.“
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